
PRIF Jahresbericht2025
Editorial
Wer die Editorials der vergangenen Jahre aufmerksam gelesen hat, weiß, wie wichtig uns die Arbeit unserer Early Career Researcher ist. Ehrlich gesagt sind wir nicht nur ein bisschen, sondern ziemlich stolz darauf, welch hohen Beitrag die Doktorand*innen und Postdocs zur Grundlagenforschung des Instituts leisten. Im vergangenen Jahr wurde dieses Engagement auch von außen gewürdigt: Gleich mehrere bedeutende Wissenschaftspreise gingen an sie. Hendrik Simon wurde für seine Promotion mit dem Helmuth-James-von-Moltke-Preis ausgezeichnet. Linda Schlegel erhielt den erstmals verliehenen Hessischen Promotionspreis für Demokratieforschung. Wir freuen uns sehr mit den beiden über diese Auszeichnungen – und unter uns, Sie dürfen es bis zum Jahresbericht 2026 niemandem verraten: Gerade erfahren wir, dass den Kolleg*innen aus unserem RadiGaMe-Projekt der über die Wissenschaft hinaus wichtige Jury-Sonderpreis des Deutschen Computerspielpreises verliehen wurde.
Preise würdigen exzellente Leistungen in der Forschung und im Transfer. Darüber hinaus illustrieren sie die Relevanz der bearbeiteten Themen. Auch das Jahr 2025 stand unter dem Eindruck andauernder bewaffneter Konflikte und großer humanitärer Krisen. Im Friedensgutachten 2025 erschien es uns wichtig, einen Akzent auf scheinbar vergessene Kriege zu setzen, wie den im Sudan, den wir in einem Fokuskapitel analysierten. Ein weiterer uns wichtiger Impuls bestand und besteht darin, die Bedeutung der zivilen Krisenprävention als Beitrag zur Zeitenwende nicht zu vernachlässigen. So manche Umstrukturierung im Auswärtigen Amt nährt die Befürchtung, dass hier Erfolgsmodelle und Aushängeschilder der deutschen Außenpolitik kurz greifenden Logiken geopfert werden, die Sicherheit auf eine militärische Dimension reduzieren. Ein sich selbst erhaltender Frieden braucht beides: militärische Verteidigungsfähigkeit auf der einen sowie Konfliktanalyse, strategische Vorausschau und Dialog auf der anderen Seite.
Gerade in diesem Bereich wurden am PRIF 2025 vielversprechende Projekte angestoßen. Gemeinsam mit den Kolleg*innen aus der Informatik der TU Darmstadt arbeiten wir an KI-basierten Ansätzen der Krisenprävention und strategischen Vorausschau, die wir zukünftig im Rahmen unserer Politikberatung nutzen wollen. Aufbauend auf den Erfolgen des CNTR-Projekts in den vergangenen beiden Jahren vertiefen wir damit weiter die Interdisziplinarität im Rahmen der technik- und naturwissenschaftlichen Friedens- und Konfliktforschung.
Das vergangene Jahr war aber nicht nur in methodologischer und technologischer Hinsicht wegweisend für PRIF. Mit Prof. Tobias Ide konnten wir einen neuen Leiter für den Programmbereich Transnationale Politik gewinnen, der zu den international sichtbarsten Forschenden im Themenbereich Klimaveränderung und Sicherheit gehört. Dr. Xinyu Yuan kam aus Genf zu uns und leitet nun die Forschungsgruppe Friedenssicherung und Konfliktmanagement durch die Vereinten Nationen. Wir sind sehr froh, dass wir damit ein noch wachsendes und ein ganz traditionelles Forschungsfeld des Instituts so exzellent besetzen konnten.
Spannend war die Frage, wie es mit den durch das BMFTR geförderten Verbünden in der Friedens- und Konfliktforschung weitergehen würde, da hier die erste Förderphase endete. PRIF ist gleich an vier von ihnen beteiligt und koordiniert eines davon, das Forschungszentrum TraCe – Transformations of Political Violence. Am Ende wurden alle Projekte erfolgreich verlängert, also auch das Netzwerk zu Normen gegen chemische und biologische Waffen (CBWNet), das Netzwerk zur Verifikation nuklearer Waffen (VesPoTec) und das Netzwerk zu Praktiken nicht-militärischer Interventionen in Afrika (ANCIP). Diese Erfolge dokumentieren den zentralen Beitrag, den PRIF für die deutsche Friedens- und Konfliktforschung leistet, sowohl im Hinblick auf Grundlagenforschung als auch die dafür notwendige soziale und organisatorische Infrastruktur.
Zwar hatten wir nicht das Gefühl, in der Leibniz-Gemeinschaft untätig zu sein. Immerhin wirken wir in drei Leibniz-Labs, einem Forschungsverbund und drei Forschungsnetzwerken mit – in einem davon als koordinierendes Institut. Aber aus unserer Forschung zu Interdependenz, De-Risking, nationaler Sicherheitsstrategie und Forschungssicherheit heraus hatten wir das dringende Gefühl, dass noch etwas fehlt, für das die Gemeinschaft wie geschaffen erscheint: ein Forschungsnetzwerk China. Also haben wir eines beantragt, und wir waren selbst überrascht, wie groß das Interesse daran auch bei anderen Instituten aus allen Sektionen war. Bereits im Herbst wurde nun die Einrichtung des durch uns koordinierten Leibniz-Forschungsnetzwerks China durch das Leibniz-Präsidium beschlossen.
Es müsste noch viel mehr erwähnt werden – eine erfolgreiche Jahreskonferenz zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit, eine wegweisende Transferkonferenz zur Demokratieforschung in Hessen, ein fantastischer Hessischer Friedenspreis für die kolumbianische Aktivistin Jani Silva, ein Umzug in ein neues Gebäude mit großer Feier, eine Leibniz-Evaluierung Ende 2026, die schon 2025 ihre Schatten vorauswarf – allein, der Platz dafür reicht an dieser Stelle nicht. Aber dafür haben wir ja diesen Jahresbericht, bei dessen Lektüre wir Ihnen nun viel Vergnügen und neue Erkenntnisse wünschen.
Inhalt
Zahlen und Fakten
- Neue Forschungsgruppe
UN-Konfliktmanagement auf dem Prüfstand
Welche Maßnahmen ergreifen die Vereinten Nationen, um Konflikte zu bearbeiten, und wodurch ist ihre Wirkung begrenzt? Eine neue Forschungsgruppe widmet sich diesen Fragen.
- 25 Jahre Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit
Ein Jubiläum in herausfordernden Zeiten
Die Resolution 1325 zu „Frauen, Frieden und Sicherheit“ des UN-Sicherheitsrats feierte ihren 25. Geburtstag. Eine Blogreihe am PRIF untersucht Errungenschaften, Potenziale und Grenzen der Agenda.
- Konferenz zum demokratischen Zusammenhalt
Was bedeutet Demokratie heute?
Wie steht es um den demokratischen Zusammenhalt – und was ist darunter zu verstehen? Diese Fragen standen im Zentrum einer zweitägigen Tagung, ausgerichtet von PRIF und weiteren Partnern.
- Forschung zu innerstaatlichen Konflikten
Wie gelingt ein nachhaltiger Frieden?
Im Profil: Thorsten Gromes forscht zu innerstaatlichen Konflikten im Vergleich. Im Interview spricht er über sein neues Buch und welche Faktoren helfen, nachhaltig Kriege zu beenden.
- Gemeinsame Kunstausstellung
Über Kunst und Forschung ins Gespräch kommen
Unsichtbare Gewalt sichtbar machen und vermitteln: Das war die Mission der gemeinsamen Ausstellung des Forschungszentrums TraCe und der KUNSTHALLE GIESSEN.
- Radikalisierungsforschung am PRIF
Der Umgang mit Gewalt an getroffenen Orten
Das Projekt RADIS hat fünf Jahre lang Transferarbeit für ein Netzwerk von Projekten in der Islamismusforschung geleistet. In einer Webtalkreihe richtete es den Blick auf Orte, Personen und Communities, die von extremistischen Anschlägen betroffen sind.
- Forschung zu Klima, Ökologie und Konflikt
Ein Klima des Krieges?
Die Schnittstellen von Klima und Konflikten verstehen: Mit einer neuen Forschungsgruppe und der Berufung von Tobias Ide wurde diese Kompetenz am PRIF stark ausgebaut.
- PRIF Jahreskonferenz 2025
Das Ringen um Gerechtigkeit im postkolonialen Kontext
Wie können durch Atomwaffentests geschädigte Personen Gerechtigkeit erfahren? Diese und weitere Fragen zu Auswirkungen und Aufarbeitung kolonialer Gewalt standen im Zentrum der PRIF-Jahreskonferenz 2025.
- Hochschulöffentliche Tagung
Sicherheit, Wissenschaft, Verantwortung
Welche Verantwortung kommt der Forschung nach der „Zeitenwende“ zu? In einem von PRIF koordinierten Dialogprozess diskutierte die hessische Hochschulöffentlichkeit über das Spannungsfeld von Wissenschaft und Sicherheitsfragen.
Friedensgutachten 2025
Nicht nur verteidigungsfähig, sondern auch friedensfähig? Wie das geht, thematisierte das Friedensgutachten 2025 unter dem Motto „Frieden retten“.
Ein neues Zuhause für PRIF
Ein kleiner Rückblick auf den Umzug und das Housewarming von PRIF